Reload der sozialen Netzwerke in Zeiten der Pandemie (IV) – Final

In diesem letzten, vierten Teil rede ich über eine Facebook-Seite, Twitter, YouTube, Instagram, einen Blog, die persönliche Website sowie das Verfassen von einem Buch!

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Facebook erregt immer wieder die Gemüter. So könnten wir eine lange ethische Dis­kussion über das Geschäftsmodell dieses Unternehmens führen. Damit befasst sich dieses Buch aber nicht. Wir nehmen zur Kenntnis, dass es Facebook gibt, und schauen pragmatisch, was die Optionen sind, wenn gewisse Dienstleistungen in An­spruch genommen werden. Jeder entscheidet für sich, ob er von davon Gebrauch machen möchte.

Wenn ich von Facebook rede, meine ich kein privates Konto. Ähnlich wie die Lufthansa, REWE oder Volvo kannst du eine Seite zu deiner Person anlegen. Klicke unter www.facebook.com auf „Erstelle eine Seite“. Lass dich nicht davon irritieren, dass als Hinweis „für einen Star, eine Band oder ein Unternehmen“ angezeigt wird.

Die erste Gestaltungsmöglichkeit hast du mit dem Namen des Profils. In meinem Fall heißt es https://de-de.facebook.com/zeylmans.karrierecoach/ und ist damit der erste Hinweis auf meine Expertise. Statt „zeylmans.karriercoach“ könnte hier „muel­ler.oelpumpen“, „meyer_zulassungsverfahren_generika“ oder „hinze_motivations­modelle“ stehen. Wenn ich mir bei Google die Suchergebnisse zu meinem Namen ansehe, wird meine Facebook-Seite folgendermaßen angezeigt: „Finden Sie Ihren Traumjob im verdeckten Arbeitsmarkt mit Karriere-Coach Vincent Zeylmans …“. Das sind alles schon mal handfeste Vorteile.

Bisher haben wir nur von einer einmaligen Aktion des Profil-Anlegens gespro­chen. Zeitaufwand: fünf Minuten. Schon haben wir die Top 3 (XING, LinkedIn, Facebook) belegt, wenn unser Name aufgerufen wird. Und schon hat der Interessent einen ersten Eindruck über uns gewonnen. Wir haben mit extrem wenig Mühe eine hoch multiplikative Wirkung erzielt!

Was sollst du nun weiter mit diesem Profil machen? Nun, hier kannst du deine fachliche Expertise zu den Pumpen oder den Motivationsmodellen kundtun. Bedeu­tet das, dass du jedes Mal einen genialen Geistesblitz haben musst, bevor du aktiv werden kannst? Keineswegs! Es ist sehr einfach, etwas auf der Facebook-Seite zu ver­öffentlichen, das dir im Internet thematisch passend auffällt. Du kopierst den Link des Artikels und fügst ihn in einen eigenen Beitrag ein oder du teilst den Artikel einfach. Dazu werden ein Teaser und das Bild des Artikels angezeigt, ein „Anlesen“ der ersten Zeilen des Artikels ist somit möglich. Nun liegt es nur noch in deiner Hand, dieses Thema kurz zu kommentieren. Warum denkst du, dass die Aussage bedeutend ist? Was sind die Konsequenzen für die Branche? Welcher Trend wird sichtbar?

Wenn andere meinen, dass deine Informationen nützlich sind, können sie auf dem Laufenden gehalten werden, indem sie deine Seite „liken“ und sie somit abon­nieren. Zusätzlich kannst du erlauben, dass eine Diskussion entsteht, indem andere deine Beiträge kommentieren dürfen.

Du wirst feststellen, dass sich Facebook Gedanken über das Layout gemacht hat. Ohne dein Dazutun sieht deine Seite einfach gut und gepflegt aus. Wenn du mehr über Auswertungsverfahren, die Funktionalität der Seite und sonstige Hilfestellun­gen, die zu deinem Erfolg beitragen können, erfahren möchtest, gibt es dazu vielfäl­tige externe Literatur sowie natürlich Facebook-interne Hinweise.

Twitter

Twitter ist noch mit deutlich weniger Aufwand in der Handhabung verbunden. Auch hier wirst du von Google mit einer Voransicht deines Profils verwöhnt, in meinem Fall: „Erschließen Sie den verdeckten Arbeitsmarkt mit Karriere-Coach und Buch-Autor Vincent Zeylmans …“ Ich möchte mich nicht wiederholen – aber auch hier: Deine Kompetenzen werden sichtbar.

Spätestens seit Donald Trump wissen wir, dass wir hier nur über wenige Zeichen verfügen, um unsere Meinung kundzutun. Entweder du gibst etwas Geistreiches und Kreatives von dir oder – und dazu rate ich – du bindest andere Quellen ein: Eine Websiteadresse wird nicht in ganzer Länge zu den 280 zur Verfügung stehenden Zeichen dazugerechnet. Außerdem kannst du auch hier Bilder, Gifs und Videos ein­binden.

Nun stellt sich noch eine Strategie-Frage: Entweder wiederholst du (mehr oder weniger), was du bereits bei Facebook gepostet hast. Der Vorteil: Die Suchmaschinen verbinden deinen Namen noch stärker mit dieser Kompetenz und somit tauchst du schneller auf, wenn dieses Keyword eingegeben wird. Der Nachteil: Es wird ein bisschen langweilig, wenn jede Plattform „mehr vom Gleichen“ zeigt. Es wundert dann nicht, wenn deine Follower deine verschiedenen Accounts nicht an­schauen …

Alternative: Du kannst auf Facebook über Pumpen reden und bei Twitter über die Ölbranche. Dadurch wirst du als Spezialist für Ölpumpen besonders sichtbar. Oder du belegst dein Facebook-Profil mit deiner Fachkompetenz im Bereich „Zulassungs­verfahren“. Bei Twitter verweist du auf Links zum Thema „Generika“.

Bei Twitter hast du Follower und kannst selbst anderen folgen. Außerdem kannst du jedem direkt einen öffentlichen Tweet senden (mit @Nutzername). Wolltest du Donald Trump schon immer mal etwas sagen? Dann hast du hier die Gelegenheit!

YouTube

YouTube unterscheidet sich von den anderen Kanälen dadurch, dass es sich hier um eine Plattform für Videos handelt. Auch hier ist die Google-Darstellung wieder be­sonders attraktiv. In meinem Fall heißt es in der allerersten Zeile: Vincent Zeylmans – Was ist der verdeckte Arbeitsmarkt – YouTube und gleich darunter Vincent Zeylmans erklärt den verdeckten Arbeitsmarkt. Besser geht es nicht!

Der Vorteil von YouTube: Du wirst auch über deine Körpersprache, deine Stimme und Intonation wahrgenommen. Möglicherweise gibt es von dir Videos, mit denen du zufrieden bist. So gibt es von mir eine Aufnahme, wo ich mal einen Vortrag für eine Buchhandlung gehalten habe. Alternativ stellst du eine Digicam auf, befestigst dein Smartphone auf einem Stativ oder setzt dich vor deinen Laptop und lässt die Kamera laufen. Auch hier die Frage: Bestehende Expertise verstärken – indem du beispielsweise wie auf den anderen Social-Media-Plattformen zum Thema „Tenden­zen in der Produktentwicklung von Ölpumpen“ referierst – oder noch eine weitere Kompetenz sichtbar werden lassen? Vielleicht bist du Geschäftsführer Vertrieb für Ölpumpen und wählst für diesen Kanal das Thema „Führung“, weil es dich ebenso begeistert. Dann wird unter den ersten zehn Suchergebnissen deines Namens sicht­bar, dass du Expertise zu Pumpen, Öl und Führung vorweist.

Instagram

Der Mensch ist ein Bildbetrachter und Instagram die Plattform dafür. Die Frage ist, ob sich diese Fotos – die meist mit einem Smartphone aufgenommen werden, da Instagram sich primär auf eine mobile Anwendung fokussiert – auch mit der per­sönlichen beruflichen Profilierung kombinieren lassen.

Die Antwort lautet eindeutig Ja – aber es gilt, einige Aspekte bei der Bildauswahl zu berücksichtigen, wenn der Instagram-Account einen Nutzen für die Karriere haben soll. Der Sonnenuntergang auf Hawaii, die Blaue Lagune auf Island oder die Halong-Bucht in Vietnam eignen sich weniger als Motiv. Warum? Die Fotos sind bestimmt von bestechender Schönheit, aber zu sehr steht hier die „Hier war ich auch“-Aussage im Vordergrund.

Es ist jedoch legitim, sich als Architektin in Stuttgart vor der Weißenhofsiedlung ablichten zu lassen. Der Text erlaubt dann eine kleine Ausführung über Mies van der Rohe und das Bauhaus. Einen Bezug zum Job stellt auch der Elektroingenieur her, der den mit Wasserstoff betriebenen Hyundai Nexo gefahren ist, wenn er das Auto fotografiert und die Fahrt kommentiert. Oder der Geschäftsführer eines in Deutsch­land vertretenen chinesischen Unternehmens, der über die 55 Kilometer lange Brü­cke zwischen Hongkong, Macau und dem Festland fährt und ihre Bedeutung für den Handel beschreibt. Diese Art von Selbstdarstellung auf Instagram kann deine Lei­denschaft für den Beruf deutlich machen.

Sonstige Maßnahmen

Machen noch weitere Profile Sinn? Ich habe bereits abgestuft: XING und LinkedIn als Pflichtübung für jeden. Facebook, Twitter, YouTube und Instagram sind wirklich benutzerfreundliche Plattformen und für alle empfehlenswert, die Lust auf die digi­tale Welt haben. Darüber hinaus gibt es noch drei weitere Maßnahmen, die ich er­wähnen möchte, für Personen, die einen gewissen Gefallen daran finden, gelegent­lich einen redaktionellen Beitrag zu liefern.

Blog

Sagst du gern deine Meinung? Fällt dir das Schreiben leicht? Dann verfasse doch einen regelmäßigen Blog! Dazu eignen sich sicherlich bestimmte Themengebiete besser als andere. In der Politik ist mehr Bewegung als im HNO-Bereich. Dennoch ist primär deine Leidenschaft von Bedeutung. Worauf musst du dich gefasst machen? Bei allen zuvor besprochenen Plattformen solltest du mindestens zweimal pro Mo­nat etwas posten. Beim Blog noch öfter. Die bekannteste Blog-Plattform: WordPress!

Ein Anfang und ein Ende der Social-Media-Aktivitäten sind immer etwas schwie­rig. So wie es (fast) zu spät ist, erst im Internet sichtbar zu werden, wenn du es benö­tigst, so solltest du auch nicht mit deinen Aktivitäten aufhören, wenn du eine neue Stelle gefunden hast. „Die nächste Suche kommt bestimmt“, hört sich etwas lapidar an, ist aber realistisch. Der Vorteil: Dann bist du bereits gut aufgestellt. Außerdem kannst du aufgrund deiner Präsenz in der digitalen Welt jederzeit für eine neue be­rufliche Herausforderung angesprochen werden – und Nein darfst du immer sagen.

Website

Es ist gar nicht so ungewöhnlich, sich seinen Nachnamen als Domain eintragen zu lassen. Mareike Mauerblume registriert die Website www.mauerblume.de. Elegant: ihr Mann Peter hat nun die E-Mail-Adresse peter@mauerblume.de, sie mareike@ mauerblume.de und ihr Kind Arthur muss ebenfalls nicht länger bei Web.de oder Hotmail einen Account anlegen.

Die eigene Website, die man selbst gestaltet oder sich für wenig Geld einrichten lassen hat, kann als Steuerungscockpit verwendet werden. Zum einen wird auch diese sehr weit oben von Suchmaschinen angezeigt, wenn dein Name eingegeben wird. Zum anderen bist du selbst Herr im Hause. Facebook könnte morgen die Spielregeln ändern, WordPress die Preise und Twitter Insolvenz anmelden. Bei einer Website bestimmst du das Geschehen.

Vielleicht richtest du die Website so ein, dass sie einen beruflichen Teil hat (auch hier kannst du Beiträge wiederholen oder ergänzen) und einen privaten. Bist du Hobby-Musiker und spielst Klarinette im Orchester? Dann zeig das! So mancher Arbeitgeber wird daran Gefallen finden. Leitest du eine Jugendtheatergruppe oder hast du letztes Jahr zwei Wochen in Irland gezeltet? Auch das wird Unternehmen be­geistern!

Buch

Ja, ich meine es ernst! Ich habe mindestens drei Bücher in meinem Schrank von Klienten, die diesen Rat ernst genommen haben. Man braucht heute keinen Lektor, keinen Verlag und kein Geld. Ohne Kosten kann jeder ein Buch veröffentlichen! Auch hier dreht sich alles um Inspiration. Was willst du mitteilen? Wenn ich bei mei­nen obigen Beispielen bleibe, bist du der Fachspezialist für Motivationsmodelle. Schreibe eine geschichtliche Abhandlung. Oder führe die Modelle kurz ein und be­schreibe die jeweiligen Vor- und Nachteile.

Praktisch lädst du zum Beispiel bei Book on Demand (www.bod.de) eine Software herunter, in die du dein Manuskript kopierst. Da es keiner korrigiert, solltest du es selbst gut überprüfen. Seitenumbrüche, das Einbinden von Bildern, Rechtschreib­fehler. Wenn du zufrieden bist, lade den Inhalt hoch und lege den Verkaufspreis fest. Schon kann jeder bestellen und du erhältst die Autorenhonorare. Wenn du vermei­den möchtest, dass nur dein Vater ein Exemplar bestellt, versieh das Buch für etwa 50 Euro mit einer ISBN-Nummer. Schon ist dein Werk bei Amazon gelistet und kann in jeder Buchhandlung bestellt werden.

Unter den Top Ten wirst du nun auch als Autor geführt, was deine ausgestrahlte Kompetenz noch mal enorm verstärkt. Du wirst dich wundern, auf wie vielen Web­sites dein Buch plötzlich auftaucht, denn viele Buchhandlungen weisen darauf hin, dass dein Werk über sie bestellt werden kann. <<

Aus „Bewerben 4.0“ Kapitel 5: Mach dich sichtbar