Das Jahr 2020 übertraf in seiner Unberechenbarkeit – daran besteht kein Zweifel – alle Erwartungen! Was bedeutet das nun aber für den Arbeitsmarkt 2021?

Ich will diese Frage vor allem aus der Bewerbersicht beantworten.

Es kann die Gefahr vorherrschen, dass sich Kandidaten keine Chance ausmalen, in einem neuen Job Fuß zu fassen. „In dieser Zeit der Unsicherheit, stellt doch kein Arbeitgeber ein…“ so die Wahrnehmung. Zeit, uns das Geschehen etwas genauer anzuschauen!

Nicht alle Firmen haben Probleme

  1. Verlierer der Epidemie

Zweifelsohne gibt es eine Reihe von Branchen die ums Überleben kämpfen. Diese stellen kaum Mitarbeiter ein. Ich spreche hier vom Einzelhandel, dem Veranstaltungsmanagement, Reiseunternehmen, Fluggesellschaften, der Gastronomie und dem Tourismus im Allgemeinen.

  1. Unternehmen die sich gut schlagen

Darüber hinaus gibt es viele Unternehmen die von Corona weniger betroffen sind. Sie verfügen über langfristige Verträge mit ihren Kunden. Vielfach werden die Dienstleistungen werden in der Krise genauso benötigt wie vorher. Hier denke ich an Banken, Versicherungen, Telekommunikation, Software-Unternehmen, Behörden oder auch staatliche Betriebe wie die Deutsche Bundesbahn.

  1. Krisengewinner

Selbstverständlich gibt es auch Gewinner. Diese sind zu finden im Bereich Pharma, Gesundheitswesen, Medizintechnik (Beatmungsgeräte). Aber auch bei Zulieferern für Home-Office Ausstattungen wie Laptops, Webcams, Mikrophone, Video-Software. Dazu viele Firmen aus dem Entertainment, den Consumer Electronics, Video-Spielen. Auch Lieferdienste, Küchengeräte, Paket-Services, Baumärkte. Dazu Fitnessgeräte, Fahrradhersteller und Zulieferer. Geld ist (vielfach) vorhanden. Wenn die Urlaubsreise nicht gebucht werden kann, wird besser gekocht, leckerer gegessen, eine neue Trekking-Bike wird gekauft oder die Wohnung frisch ausgestattet.

Übertragbare Kompetenzen

Das Gebot der Stunde ist eine Bestandsaufnahme der übertragbaren Kompetenzen. Ein Branchewechsel fällt nicht immer leicht, ist aber vielfach möglich. Wer gestern erfolgreich im Vertrieb der Automobilindustrie war, kann möglicherweise auch morgen Lösungen im Anlagenbau verkaufen. Und wer kreative Kampagnen für die Vermarktung der Seychellen entworfen hat, ist wahrscheinlich in der Lage, auch Trekking-Räder ins rechte Licht zu rücken.

Demographie

Unser stiller Unterstützer ist – nach wie vor – die Demographie. Es lohnt sich, die Zahlen immer wieder in Erinnerung zu rufen. 2020 gingen 1.4 Mio. Erwerbstätige in Rente. Dafür traten lediglich 700.000 Neu-Zugänge der Generation Y & Z in den Arbeitsmarkt ein.

Die andere Hälfte der Abgänge mussten oder müssen irgendwie kompensiert werden. Teils kam dieses den Unternehmen möglicherweise entgegen. Aber gewiss nicht alle Arbeitsplätze konnten unbesetzt bleiben. Deshalb haben die Arbeitgeber auch weiterhin eingestellt. Denn auch in Corona-Zeiten ist der Fachkräftemangel weiterhin ein Thema das viele Unternehmen herumtreibt.

Auch die Digitalisierung ist keine Lösung. Er herrscht mittlerweile Einigkeit vor, dass wohl genau so viele Stellen neu geschaffen werden als abgebaut.

Altbewährte Rezepte

In allem bewahren altbewährte Rezepte weiterhin ihre Gültigkeit:

  1. Positionierung

Wer sich der eigenen Stärken und Schwächen bewusst ist, läuft nicht jeder Stellenausschreibung hinterher. Diese Person weiß um ihr Profil und anvisiert Jobs in einer bestimmten Bandbreite. Da die Fokussierung argumentiert werden kann, überzeugen diese Kandidaten mit Authentizität.

  1. Unterlagen

Nach wie vor sind professionelle Unterlagen unerlässlich. Sie sollten Kompetenzen und Erfolge transportieren und nur am Rande Verantwortungsbereiche, Stellenbezeichnungen und Aufgabengebiete. Die Zuständigkeit für eine gewisse Tätigkeit sagt noch nichts über die Arbeitsqualität aus!

  1. Verdeckter Arbeitsmarkt

Ein Drittel aller Stellen werden ausgeschrieben. Der Job-Hunter weiß um die Jagd auf die verdeckten Positionen. Passende Unternehmen werden mit einer Initiativbewerbung zielgerichtet angeschrieben. Adäquate Headhunter werden kontaktiert. Aussagefähige Profile bei Business-Netzwerke ziehen Recruiter an.

Digitalisierung

Hier haben wir es in der Tat mit einer Änderung zu tun. Die meisten Interviews finden nun digital statt. Wer vor Corona einmal privat mit Skype Erfahrungen gesammelt hat, kann sich darauf nicht ausruhen. Video-Konferenzen finden wahrscheinlich über ZOOM, MS-Teams, Team-Viewer & Co. statt. Wer diese Software nicht beherrscht, sollte sie im Vorfeld testen. Das gilt genau so für die Kamera und das Mikrophon.

Damit nicht genug, soll das Gegenüber eine Rückmeldung geben zum Bildausschnitt, dem Licht sowie der Platzierung der Kamera. Vielleicht soll der Laptop auf Büchern gestellt werden damit das Gesicht nicht verzerrt sichtbar wird. Die Anschaffung eines Leuchtrings kann hilfreich sein. Oder der Hintergrund muss aufgeräumt werden.

Ein schwacher Trost in allem: Hinter dem PC kann ein Spickzettel aufgehängt werden mit den Eckpunkten für die Selbstdarstellung. Dabei gerieten Bewerber in der Vergangenheit gelegentlich aufs Glatteis, da ihnen die Struktur abhanden kam. Damit soll nun – Corona sein Dank – Schluss sein!