Lebenslauf & LinkedIn-Profil: Retrospektiv oder perspektivisch?

Mit meiner Bemerkung, dass ein CV oder ein Business-Profil nicht zwingend retrospektiv verfasst werden muss, ernte ich meist fragende Blicke bei meinen Klienten.

Ich ermutige, vom Ziel auszugehen. Der Entwicklungsleiter in einem Konzern strebt als nächste Karrierestufe die Technische Leitung (CTO) als Mitglied der Geschäftsleitung in einem mittelständischen Unternehmen an.

Die Person kann sich nun 10 ausgeschriebene CTO-Positionen in einem Karriereportal ansehen. Der Aufbau ist immer gleich:

  • Aufgaben
  • Qualifikation
  • Das bieten wir

Der letzte Punkt interessiert nicht. Die Aufgaben werden alle untereinander in ein Word-Dokument kopiert. Das Gleiche gilt für die Qualifikation. Nun fasst KI die Auflistung nach Mehrfachnennung zusammen. Natürlich wäre es möglich, die Frage nach den Top-10 Aufgaben und Qualifikationen direkt an die KI zu stellen. Diese Vorgehensweise erhöht aber den Praxisbezug.

Jetzt weiß unser Bewerber, welche Schlüsselbegriffe für die nächste Karrierestufe wichtig sind. Eine Reihe der Aufgaben hat er schon in der Vergangenheit gemacht. Auch weist er mehrere entsprechende Kompetenzen auf.

Da der Kandidat aber immer von sich aus gedacht hat, verwendet er im Lebenslauf und in Businessprofilen Terminologien, die bei seinem Arbeitgeber üblich waren. Auch waren bestimmte Tätigkeiten für ihn Selbstverständlichkeiten, die er nicht aufführt.

Von der Zielposition her gedacht, sieht er seine Dokumentation in einem anderen Licht. Er passt seinen Lebenslauf an und ergänzt sein Businessprofil um die „neu entdeckten“ Begriffe. Denn wie geht ein Headhunter oder Personalleiter vor, der entsprechende Kandidaten bei LinkedIn oder auch XING sucht? Diese Person wird die Keywords in den Suchmasken (bzw. den Algorithmen) eingeben und schauen, welche Treffer er erzielt.

Wer sein Businessprofil entsprechend überarbeitet hat, wird gefunden. Bei LinkedIn und XING gibt es zumindest vier Stellen, wo die Aufgaben und Fähigkeiten sichtbar werden können:

  1. Bullet-Points unterhalb der beruflichen Stationen im Lebenslauf
  2. Bei der „Über mich“ (About) Zusammenfassung
  3. Als separate Erwähnung der „Skills“ (Kompetenzen/Fähigkeiten)
  4. Alles, was dann noch übrigbleibt und dennoch relevant und zutreffend ist, kann mit Hashtags (#) unterhalb der Profilbeschreibung („Über mich“) ergänzt werden

Alles logisch – der Perspektivenwechsel macht den Unterschied!

PS. Die männliche Form erhöht die Leserlichkeit – selbstverständlich sind Männer wie Frauen gleichermaßen gemeint.